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25.04.17

Wo einst die Hofjäger wohnten

Der frühere Jägerhof wird jetzt unter anderem von der Polizei und vom Stadtarchiv genutzt

Zwei der Jägerhof-Häuser stehen direkt an der Straße; vor das dritte, das einstige Jagdzeughaus, wurde zu DDR-Zeiten ein Flachbau gesetzt. Fotos: S. Krieg

Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und öfter ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Diesmal: der frühere Jägerhof in der Stellingstraße.

Gegenüber gab es schon mal einen Jägerhof (von dem hat übrigens der Jägerweg seinen Namen). Der verfiel jedoch zusehends und wurde schließlich 1850 abgerissen. Ein neuer musste her. Den Auftrag dazu erhielt Anfang 1852 der Hofbaumeister Hermann Willebrand.
Von 1854 bis 1855 wurden die ers­ten vier Gebäude errichtet: die beiden Wohnhäuser der vier Hofjäger (heute Stellingstraße 2 und 3), die durch eine Mauer mit Gittertor verbunden waren, sowie dahinter zwei Stallgebäude. Die Schmuckfiguren an der Fassade schuf der Bildhauer Heinrich Petters, von dem zum Beispiel auch die Petermännchen-Figur am Schloss stammt.

Im Jahr 1860 wurde der Jägerhof um das Jagdzeughaus erweitert. In seiner „Chronik der Haupt- und Residenzstadt Schwerin“ schreibt Ludwig Fromm dazu: „Dies Gebäude, in der Hoffronte 37 Fuß breit und 45 Fuß tief, ist in den massiven Ringwänden 38 Fuß hoch und mit Schiefer gedeckt. Der innere Raum ist, damit die Jagdnetze aufgehängt werden können, in vertikaler Richtung ganz hohl und an den Wänden nach seiner Queere hin mit in vier Stockwerken über einanderliegenden schmalen Laufgängen versehen.“ 1861 war es fertiggestellt; davon zeugt auch eine eingelassene Platte mit den großherzoglichen Initialen FF, einer Krone – und der Jahreszahl.
Als Bewohner des Jägerhofs verzeichnete noch 1914 ein Adressbuch die Hofjäger Gagzow und Hornung sowie den Kammerdiener Ihde, den Tafeldecker Harloff und den Hundewärter Foth.
1928 eröffneten „Eisenträger & Co.“ in dem kleinen Komplex ihr Unternehmen für Automobile und Landmaschinen, die beiden Wohnhäuser blieben aber als solche erhalten. 1935 ließ die Firma Eisenträger die Mauer abreißen und errichtete eine Reparaturhalle sowie eine Tankstelle. Inhaber Hans Georg Eisenträger wohnte mit seiner Familie später selbst im Jägerhof; 1949 lebten dort insgesamt acht Familien. Die Autowerkstatt blieb weiterhin bestehen.

Nachdem die Volkspolizei das hintere Gelände samt ehemaligem Jagdzeughaus übernommen hatte, erweiterte sie 1968 die Werkstatt, unter anderem wurde auf die Freifläche eine Baracke gesetzt, die seitdem die Sicht von der Stellingstraße auf das Haus behindert.
Eisenträger verkaufte 1976 das Haus Stellingstraße 2 der Stadt. Dort zog 1979 zog das Stadtarchiv ein (und später auch in die Stellingstraße 3). In der Nummer 2 befindet sich immer noch das Stadtarchiv, das andere frühere Hofjägerwohnhaus ging 1993 an Eisenträgers Erben zurück. Heute wird es genutzt von einem Pflege- und Betreuungsunternehmen, einem Ingenieurbüro sowie eine Technologie-Firma.
Auf dem hinteren Teil des Jägerhofs arbeitet nach wie vor die Polizei, die dort vor allem eine Autowerkstatt eingerichtet hat. S. Krieg




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