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12.06.09

Hilfe aus einem Haus

 

Das altehrwürdige Anna-Hospital erzählt Schweriner Stadtgeschichte

„Saal und Außenmauer hat die Kirchgemeinde mit viel

Eigeninitiative erneuert“, freut sich Wilfried Kroh.

Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und mehr ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Heute im Anna-Hospital, das zwar kein Krankenhaus mehr ist, aber immer noch ein Ort, an dem es Hilfe gibt.

Wenn Besucher ins Anna-Hospital kommen hört Wilfried Kroh einen Satz immer wieder. „Hier habe ich mal gelegen.“ „Fast jeder Schweriner hat eine Beziehung zu dem ehemaligen Kinderkrankenhaus - egal, ob er nun selbst oder seine Kinder und Enkel hier Patienten waren“, weiß der 2. Vorsitzende des Kirchgemeinderats der Schlosskirche. Seit 2003 gehört das historische Hauptgebäude des Anna-Hospitals der Gemeinde. 

Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Schwerin kein Kinderhospital. Nicht einmal das Stadtkrankenhaus verfügte über eine entsprechende Abteilung. Vor diesem Hintergrund gründete die Schwerinerin Ida Masius 1866 eine Stiftung, die vor allem kranke Kinder aus ärmeren Familien aufnehmen sollte. 1882 machte sich Masius für den Neubau eines Kinderhospitals stark, da die bisherigen Räume in der Waisenstraße, der heutigen Bornhövedstraße, längst zu klein geworden waren. Finanzielle Unterstützung erhielt das Projekt von Großherzog Friedrich Franz II. Seine Bitte: Das Hospital solle den Namen seiner Tochter Anna tragen. Das Mädchen war kurz zuvor, am 8. Februar 1882, im Alter von nur 17 Jahren gestorben.

Im Juni 1882 wurde der Grundstein für das Krankenhaus in der Bleicherstraße gelegt, ein Jahr darauf nahm das Hospital am neuen Standort die Arbeit auf. Das von Baurat Georg Daniel errichtete Hauptgebäude beherbergte Krankenzimmer, in denen Jungen und Mädchen getrennt untergebracht waren sowie einen Saal als Speise- und Aufenthaltsraum. Außerdem waren ein Operationszimmer, Zimmer für den Arzt und die Diakonissen und Wirtschaftsräume in dem Gebäude untergebracht. „Die alten Pläne, wie es hier früher einmal ausgesehen hat, existieren noch“, sagt Wilfried Kroh. Diese Pläne sind für die Schlosskirchengemeinde auch beim Umbau des denkmalgeschützten Altbaus wichtig. So wird zum Beispiel das Erdgeschoss in seiner ursprünglichen Symmetrie wieder hergestellt.Einen Flügel nutzt die Diakonie-Sozialstation Dom/ Schloss, den anderen die Gemeinde.

Den etwa 50 Quadratmeter großen Saal haben die Gemeindeglieder mit viel Eigeninitiative und zahlreichen samstäglichen Arbeit seinsät zen wieder zu einem Schmuckstück werden lassen. „Hier üben der Posaunenchor und der Chor, die Sitzungen des Kirchgemeinderats finden statt und am Himmelfahrtstag haben wir sogar Gottesdienst gefeiert“, sagt Wilfried Kroh. Zur besonderen Ausstattung des Raumes zählt die alte Veranda, von der eine Metalltreppe in den Garten führt. „Diese Treppe ist nach historischem Vorbild neu entstanden“, freut sich der zweite Vorsitzende des Kirchgemeinderats. Er ist froh, dass mit Kurt-Wido Borchard, ebenfalls Mitglied im Gemeinderat, ein Fachmann die Bauarbeiten betreut. Denn nach wie vor gibt es viel zu tun.

Zu den Nutzern des Gebäudes gehört außerdem der Hospizverein, der ein Büro im ersten Obergeschoss nutzt. Im Keller befi nden sich das Schattentheater, ein Jugendraum und die „Rappelkiste“, in der die Schlosskirchengemeinde jeden Dienstag Vormittag eine kostenlose Kinderbetreuung anbietet. Damit ist das alte Gebäude des Anna-Hospitals auch heute noch ein Ort, an dem Menschen Hilfe finden. In gewisser Weise wird so auch die Tradition des alten Kinderhospitals fortgeführt, das 1994 geschlossen wurde und das sich in den mehr als 120 Jahren seines Bestehens eines ausgezeichneten Rufs erfreute.

Als evangelisches Kinderkrankenhaus genoss das Anna-Hospital selbst in der DDR eine hohe fachliche Anerkennung, die fürsorgliche Pflege und das Engagement der Ärzte und Schwestern sind vielen ehemaligen Patienten bis heute in Erinnerung geblieben. Aus diesem Grund blieb auch der Name Anna-Hospital bestehen – obwohl das alte Haus längst kein Krankenhaus mehr ist. „Aber das Anna-Hospital ist ein Stück Schwerin und deshalb kennt auch jeder Schweriner diesen Namen“, ist Wilfried Kroh überzeugt.




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