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11.12.15

Stahlbeton und Gastlichkeit

Wo früher Korn gelagert wurde, befindet sich nun das Hotel „Speicher am Ziegelsee“

Das Hotel vom hoteleigenen Steg aus betrachtet Foto: S. Krieg

Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und mehr ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Heute: der frühere Kornspeicher am Ziegelsee, in dem sich nun ein Hotel befindet.

Sechstausend Tonnen Getreide fasste der Speicher einst. Damit das Korn auch wirklich sicher gelagert war und keine Chance hatte, durch etwaige Risse hinauszurieseln oder  drinnen zu verschimmeln, wurde das Gebäude 1939 massiv mit jeder Menge Stahlbeton errichtet. Die charakteristischen Ziegel bildeten nicht viel mehr als die Fassade, hinter die wir dieses Mal blicken.
Die rötlichen Gemäuer beherbergen nun ein Hotel mit vier Sternen, 45 Mitarbeitern und 78 Zimmern. Das Opens external link in new windowHotel „Speicher am Ziegelsee“ verfügt über einen eigenen Anleger der Weißen Flotte und bietet einen wundervollen Ausblick übers Wasser und auf die Schweriner Altstadt.

Alles prima soweit also. Aber wer weiß, ob die Hamburger Architektengemeinschaft den Speicher damals, 1995, wirklich gekauft hätte, wenn man da schon gewusst hätte, wie viel Aufwand es brauchte, aus dem Industrie- ein Gastgebäude zu machen. Der extrem widerstandsfähige Beton – die Silowände waren teils einen Meter dick – stellte sich als ein sehr großes Hindernis heraus. Zudem ist das Haus denkmalgeschützt.
Ursprünglich sollte der Speicher binnen zwölf Wochen umgebaut werden; am Ende dauerte es vierzehn – Monate. Allein für den Abbruch. Weitere Schwierigkeiten bereitete die Nähe zum Seeufer und die damit verbundene Gefahr des Wassereinbruchs.

Aber im August 1998 eröffnete das Hotel endlich – ein schönes Haus. Nur war ringsum auch noch viel übrig von früherem Gewerbe, eine vernünftige Straße als Zufahrt fehlte, alte Fabrikhallen bildeten das äußere Ambiente. Der Hotel-Geschäftsführer Christian Petersen erinnert sich noch an die Anfangszeiten: „Wir haben auch lange mit der Stadt gerungen, die damals rund um unser Hotel massive, hohe Wohnbauten vorsah – teils außerhalb ursprünglicher Pläne.“ Zufrieden aber fügt er hinzu: „Schließlich fanden wir jedoch eine Lösung, und inzwischen arbeiten wir sehr gut mit der Stadt zusammen. Das zeigte sich besonders beim Bau der Ziegelseepromenade, in dessen Planungen uns die Stadt viel einbezogen hat.“

Das Handelsunternehmen Ohlerich und Sohn, das den Speicher bauen ließ, firmierte bis Ende 1933 unter dem Namen Löwenthal, Nord & Co. und war der größte Getreidehändler Westmecklenburgs. Im Jahr 1933 wurde die Firma „arisiert“. Die beiden Mitbesitzer der Gesellschaft, Otto Löwenthal und Max Nord, waren Juden und wurden von Paul Ohlerich aus dem Unternehmen gedrängt und schließlich im Jahr 1938 enteignet. Dies ist der dunkle Teil der Historie des Hauses.

Speicher dieser und ähnlicher Art hatte Ohlerich in unserer Region viele errichten lassen. Das Getreidelager am Ziegelsee zählte damals zu den moderneren seiner Art. Es wurde als sogenanntes Reichstypensilo konstruiert. Bauwerke dieser Art waren im Gegensatz zu den herkömmlichen Holzbauten feuersicher und brachten auf einer vergleichsweise geringen Grundfläche ein hohes Speichervolumen. Auch konnte das Korn dank Einsatzes von innovativer Technik weitgehend ohne schwere körperliche Arbeit umgeschlagen werden.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Gewerbe-Immobilie in Volkseigentum verwandelt und nach der Wiedervereinigung den Erben der früheren Besitzer übertragen – die den Speicher dann 1995 verkauften.
Von der früheren Nutzung zeugen auch im Inneren heute noch einige Elemente. So sind zum Beispiel in mehreren Zimmern im Nordteil des Hauses alte Stahlbeton-Pilzkopfstützen sichtbar. Im südlichen Teil wurde mittels Stahlkonstruktion ein „Haus im Haus“-Konzept umgesetzt. Dafür gab es 1996 den Stahl­innovationspreis. S. Krieg




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