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15.01.16

Ein Stück Medizingeschichte

Schweriner Marienkrankenhaus war einst Lazarett und Poliklinik; heute Zentrum für Psychiatrie, Psychologie und Suchtmedizin

Die Front zur Röntgenstraße zeigt heute noch die Initialen des Marien-Frauen-Vereins. Fotos: K. Haescher

Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und mehr ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Heute in der Röntgenstraße, deren längstes Gebäude auch eine lange Geschichte hat: als Lazarett, einst größte Poliklinik der DDR und medizinisches Zentrum.

Im November 1895 entdeckte Wilhelm Conrad Röntgen in Würzburg die nach ihm benannten Strahlen und revolutionierte damit die Diagnosemöglichkeiten in der Medizin. Im gleichen Jahr richtete der 1880 in Schwerin gegründete Marien-Frauen-Verein am Schelfmarkt 1 ein kleines Krankenhaus ein. Die heutige Schweriner Röntgenstraße trug zu diesem Zeitpunkt noch den Namen Lützowstraße. Erst später sollten sich die beiden Ereignisse aus dem Jahr 1895 verbinden: 1914 entstand in der Lützowstraße der Neubau des Marienkrankenhauses, das seit 100 Jahren im Gesundheitswesen der Stadt eine wichtige Rolle spielt. 1945 erhielt die Straße den Namen des berühmten deutschen Physikers – eine Radiologiepraxis gibt es hier bis heute.

Aber der Reihe nach. „Zur Pflege im Feld verwundeter und erkrankter Krieger“ entstand unter dem Vorsitz von Großherzogin Marie der Verein zur Krankenpflege. Ins Leben rief ihn der „Mecklenburgische Landesverein des Roten Kreuzes“. Weil das Hospital in der Schelfstraße 1 schnell zu klein wurde, kaufte der Rotkreuzverein angrenzende Grundstücke in der Lützowstraße, um ein neues Krankenhaus zu errichten. Den Auftrag erhielt der renommierte Schweriner Architekt Gustav Hamann.
Hamann plante ein funktionales Gebäude, dessen langgestreckte Fassade von einem mittleren und zwei seitlichen  Vorsprüngen ge­gliedert wurde. Das Krankenhaus hatte eine Kapazität von 50 Betten. Allerdings war hier schon bei der Eröffnung am 22. September 1914 kaum an einen normalen Betrieb zu denken: Wenige Wochen zuvor hatte der erste Weltkrieg begonnen und das Marienkrankenhaus wurde bis 1919 Lazarett. Wenige Jahre nach Eröffnung des Krankenhauses war dieses dann schon wieder zu klein. Das DRK, dem die Einrichtung inzwischen gehörte, kaufte weitere Grundstücke und im September 1929 wurde ein Erweiterungsbau mit 30 Betten in Betrieb genommen. Außerdem entstanden eine Röntgenabteilung und eine Entbindungsanstalt, die erste in Südwest-Mecklenburg.

Schon am 1. September 1939 öffnete im Haus das Reservelazarett II – der zweite Weltkrieg hat begonnen. 1945 erfolgt dann abermals eine Zäsur: Jetzt ging es nach dem Krieg darum, die Gesundheitsfürsorge in der sowjetischen Besatzungszone aufzubauen. Mit den Polikliniken entstanden später in der DDR medizinische Versorgungszentren, die verschiedene Fachgebiete unter einem Dach bündelten und gleichzeitig das Gesundheitswesen unter zentrale staatliche Verwaltung stellten.
Als im Dezember 1946 die Poliklinik im Marienkrankenhaus öffnete, war es die erste in der sowjetischen Besatzungszone – und später in den 1950er Jahren zeitweise die größte der DDR. In den 1960er Jahren wurden knapp 500.000 Konsultationen jährlich gezählt. Unter den Schwerinern gibt es wohl kaum jemanden, der sich nicht an Arztbesuche in der Röntgenstraße erinnern kann.

„Dadurch haben viele Menschen einen Bezug zu diesem Haus und das Wohlwollen, dass es auch heute wieder eine medizinische Einrichtung beherbergt, ist groß“, sagt Michael von Majewski. Er ist leitender Psychologe in der AHG-Poliklinik Schelfstadt, die zur Klinik Schwe­riner See in Lübstorf gehört und heute ihren Sitz im einstigen Marienkrankenhaus hat. 2005 war das Gebäude zu einem Kompetenzzentrum für Sucht- und psychosomatische Erkrankungen umgebaut worden. Heute sind in dem Haus eine Tagesklinik für Suchterkrankte, eine Adaptionseinrichtung, die Abhängigkeitserkrankte nach einer stationären Entwöhnung zur Reha aufnimmt, und eine Rehabilitation für psychisch Kranke, eine von zweien in Mecklenburg-Vorpommern, zu finden.

Außerdem gibt es eine Beratungsstelle, die Menschen mit Suchtproblemen aufsuchen können – jeden Freitag von 10 bis 12 Uhr und seit dieser Woche auch dienstags von 16 bis 18 Uhr sind Termine für offene Sprechstunden.
Die Lage des einstigen Marienkrankenhauses mitten in der Stadt trägt zu dem Anliegen bei, Menschen den Weg zurück ins Alltagsleben zu ebnen. Zum Haus gehören neben den Patientenzimmern eine kleine Töpferei und eine Tischlerei, Gymnastikraum, Bibliothek und Gruppentherapieräume. Einer der Speiseräume ist im ehemaligen OP-Saal untergebracht. Alte Holztüren und der holzgetäfelte Fahrstuhl sind weitere Details, die eine Verbindung zum alten Marienkrankenhaus knüpfen. K. Haescher




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