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12.02.16

Humanismus hinter Backstein

Vor 146 Jahren wurde das alte Fridericianum eröffnet, heute geht es in dem Haus international zu

Am Mittelrisaliten befinden sich Großherzog-Porträts sowie eine Luther- und eine Melanchthon-Figur. Foto: S. Krieg

Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und mehr ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Heute: das alte Fridericianum in der August-Bebel-Straße 11/12.

Gelernt und gelehrt wurde in dem prachtvollen Backsteinbau von Anfang an. Grund, ein neues Schulhaus zu errichten, waren die in unserer Stadt um 1860 stark gestiegenen Schülerzahlen. Als Standort wurde das Gelände des Palaisgartens am Pfaffenteich-Ostufer gewählt, und Hermann Willebrand steuerte die Entwürfe bei. Der Hofbaurat orientierte sich dabei an Bauten der italienischen Renaissance, jedoch im sogenannten Johann-Albrecht-Stil. Großherzog Friedrich Franz II. gab den Bau in Auftrag.
So entstand in den Jahren 1868 bis 1870 ein zweigeschossiges Schulgebäude, das fortan das neuhumanistische Gymnasium beherbergte. Der Name Fridericianum weist jedoch noch auf Friedrich Franz I. hin, in dessen Herrschaftszeit durch die Schulreform aus der früheren Domschule 1818 das Gymnasium hervorging.

Oben am Mittelrisaliten, dem zentralen Teil des Gebäudes an der Pfaffenteichseite, finden sich Porträtmedaillons der beiden Großherzöge. Ein bisschen tiefer stehen lebensgroße Skulpturen der Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon als Symbolfiguren für die humanistische Schulbildung.
Wer das Gebäude via Freitreppe durch den Haupteingang am Mittelrisaliten betritt, kommt zunächst in eine kleine gewölbte Eingangshalle mit einigen Säulen. Die Innentreppen jedoch befinden sich in den beiden Seitenflügeln. Direkt über dem Eingangsbereich entstand nach ei­nem Ausbauentwurf Carl Luckows die Aula, die 1903 prächtige Blei­glas­fens­ter erhielt. Das Haupthaus wurde 1887 um eine Turnhalle und 1909 um einen Erweiterungsbau an der Apothekerstraße ergänzt.

Im Dezember 1936 brannte die Aula aus; sowohl die Innengestaltung als auch die Fenster wurden Opfer der Flammen. Hinzu kamen Schäden am Dachstuhl und – durch das Löschwasser – auch in den Fluren und Klassenräumen. Erst 1938 war alles wieder in Ordnung gebracht, aber die Aula bekam ihre alte Pracht nicht wieder.
Im Juli 1949, also kurz vor Gründung der DDR, wurde aus dem Fridericianum die Johann-Wolfgang-von-Goethe-Oberschule und zehn Jahre später dann die Erweiterte Oberschule (EOS) „Johann Wolfgang von Goethe“. Im Jahr 1970 zog die EOS nach Lankow um, und am Pfaffenteich entstand die Polytechnische Oberschule (POS) „August Bebel“.

Nach der Wende hieß es dann alles auf Anfang, denn die POS wurde in das Gymnasium Fridericianum zurückumgewandelt. Bereits 1998 jedoch war erstmal Schluss mit Schule an diesem Standort: Das „Fritz“ zog an den Totendamm, wo es sich auch heute noch befindet (sie­he dazu Schwerin live, September 2015).
Das alte Fridericianum stand fortan leer – bis die Stadt 2010 beschloss, das Gebäude zu sanieren. Nachdem 2011 das ehemalige Rektorenhaus fertig wurde, folgte 2012/13 das Hauptgebäude. Man hielt sich dabei, so weit es ging, an die historischen Strukturen, brachte die Räume aber gemäß den Anforderungen einer modernen Schule auf den technisch neuesten Stand. Zudem wurde ein Fahrstuhl eingebaut. Die Sanierung (inklusive Rektorenhaus) kostete insgesamt 5,8 Millionen Euro, wobei der städtische Anteil bei knapp zwei Millionen Euro lag.

Seit 1. Oktober 2013 wird nun endlich wieder gelehrt in dem Neorenaissance-Bau: Die private „Fachhochschule des Mittelstandes (FHM) – Baltic College“ zog hier ein. Derzeit sind am Schweriner Standort der FHM über 400 Studenten eingeschrieben, etwa die Hälfte von ihnen aus Asien (vor allem aus China und Indien).
Die Hochschule bietet acht Bachelor-Studiengänge (darunter vier als Fernstudium) und einen Mas­ter-Studiengang an.S. Krieg 




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